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NGC 4698: Das Schwarze Loch im Zentrum einer Galaxie außer Takt

Eine Spiralgalaxie kann geordnet wirken und dennoch Spuren einer bewegten Vergangenheit tragen. NGC 4698, beobachtet mit dem Hubble-Weltraumteleskop, ist ein solcher Fall: Ihr Zentrum ist anders ausgerichtet als die Scheibe, und die Sterne und das Gas in unmittelbarer Zentrumsnähe rotieren senkrecht zur übrigen Scheibe. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) veröffentlichte am 18. September 2026 ein neues Bild und erklärte, das supermassereiche Schwarze Loch der Galaxie zeige Anzeichen aktiven Wachstums.

NGC 4698: Das Schwarze Loch im Zentrum einer Galaxie außer Takt
KI-generierte Illustration

Wichtige Daten

  • Die ESA veröffentlichte das Bild und die Beschreibung von NGC 4698 am 18. September 2026.
  • NGC 4698 liegt rund 55 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Jungfrau und gehört zum Virgo-Galaxienhaufen.
  • Ihr Bulge erstreckt sich nahezu senkrecht zur Scheibe; Sterne und Gas nahe dem Zentrum rotieren senkrecht zum Rest der Scheibe.
  • Die ESA berichtet von Hinweisen auf aktives Wachstum des zentralen supermassereichen Schwarzen Lochs mit mehreren Millionen Sonnenmassen.
  • Gaszufluss von außen und eine kleinere Galaxienverschmelzung sind mögliche Erklärungen, keine bestätigten Ursachen der Struktur.

Verknüpfte Einträge

Die am 18. September 2026 von der ESA veröffentlichte Aufnahme lenkt den Blick auf NGC 4698, eine Spiralgalaxie in rund 55 Millionen Lichtjahren Entfernung im Sternbild Jungfrau. Sie gehört zum Virgo-Galaxienhaufen, einer durch die Schwerkraft gebundenen Ansammlung von mehr als tausend Galaxien, die die ESA als den nächstgelegenen großen Galaxienhaufen bezeichnet. Das Bild wurde mit Daten des NASA/ESA-Weltraumteleskops Hubble erstellt, die im Rahmen eines Beobachtungsprogramms zu Galaxien in diesem Haufen gewonnen wurden. Neu ist die Veröffentlichung des Bildes samt Erläuterung, nicht die Bekanntgabe eines neu entdeckten Schwarzen Lochs.

Was eine Galaxie „außer Takt“ macht

In mancher Hinsicht ähnelt NGC 4698 der Milchstraße: Sie besitzt eine dünne Scheibe aus Sternen, Gas und Staub, Spiralarmbereiche und einen zentralen Bulge. Dieser Bulge – der hellere, dickere Bereich im Zentrum – erstreckt sich jedoch annähernd senkrecht zur Scheibe. Auf der Hubble-Aufnahme scheint das schwache Leuchten seiner Sterne oberhalb und unterhalb der staubigen Scheibe hervorzutreten.

Die ungewöhnliche Geometrie betrifft nicht nur die Form. Laut ESA rotieren die Sterne und das Gas in unmittelbarer Nähe des Galaxienzentrums senkrecht zum Rest der Scheibe. Das System wirkt dadurch „außer Takt“: Seine zentralen Bestandteile teilen weder die Ausrichtung noch die allgemeine Bewegung der Spiralstruktur. Nach Angaben der Behörde sind nur wenige Spiralgalaxien mit einem derart angeordneten Bulge bekannt.

Das Schwarze Loch und die Bedeutung von Wachstum

Ein Schwarzes Loch ist kein leeres Loch, sondern eine extrem kompakte Ansammlung von Materie. Seine Schwerkraft ist so stark, dass sie eine Grenze definiert, den Ereignishorizont. Im Zentrum von NGC 4698 umkreisen die Sterne des Bulges – kleiner, älter und kühler als die massereichen blauen Sterne in den äußeren Scheibenbereichen – ein supermassereiches Schwarzes Loch mit einer Masse von mehreren Millionen Sonnenmassen, berichtet die ESA.

Die Behörde sagt, Forschende hätten Hinweise gefunden, dass das Schwarze Loch aktiv wächst: Es zieht Gas durch seine Schwerkraft nach innen. Diese Formulierung ist wichtig. Die vorliegenden Informationen nennen keine quantitative Wachstumsrate und beschreiben auch keine konkrete Methode zu ihrer Bestimmung. Sie bedeuten ebenso wenig, dass der Ereignishorizont direkt beobachtet wurde. Das Bild zeigt die Galaxie und ihre Sternstruktur; auf Wachstum wird anhand von Signalen geschlossen, die Forschende als Gasakkretion deuten.

Eine mögliche Spur: Gas von außerhalb

Wie könnte NGC 4698 zu einem derart schief ausgerichteten Zentralbereich gekommen sein? Die von der ESA als wahrscheinlichste bezeichnete Erklärung verweist auf Vorgänge außerhalb der Galaxie. Falls NGC 4698 Gas aus einer externen Quelle aufgenommen hat, könnte das neu hinzugekommene Material im Zentrum eine Scheibe aus Gas und Sternen gebildet haben, die gegenüber der Hauptscheibe geneigt ist. In diesem Szenario würde die zentrale Struktur die Spuren eines aus einer anderen Richtung eingetroffenen Gasvorrats bewahren.

Es gibt noch einen möglichen Hinweis: Einige Beobachtungen legen nahe, dass NGC 4698 früher eine kleinere Galaxienverschmelzung erlebt hat. Als Indiz nennt die ESA einen kurzen Wasserstoffschweif, der von einer Seite der Galaxie ausgeht. Die Behörde stellt diese Deutung nicht als endgültige Rekonstruktion dar. Eine kleinere Verschmelzung ist eine mögliche Erklärung für den Gaszufluss, aber keine nachgewiesene alleinige Ursache der heutigen Geometrie.

Was das Bild zeigt – und was offenbleibt

Hubble macht die Form von Bulge, Scheibe und Staubbändern sichtbar. Ein Bild allein klärt jedoch nicht die dynamische Geschichte der Galaxie. Laut ESA stammen die Daten aus dem Beobachtungsprogramm Nummer 18103; der Hauptverantwortliche war D. Thilker. Die veröffentlichten Angaben erläutern weder die Messungen im Detail noch liefern sie quantitative Ergebnisse zur aufgenommenen Gasmenge, zum Zeitpunkt einer möglichen Verschmelzung oder zur Wachstumsrate des Schwarzen Lochs.

Schwarze Löcher werden auch mithilfe anderer Signale als Licht untersucht. Ein 2016 veröffentlichter Forschungsartikel der LIGO Scientific Collaboration und der Virgo Collaboration berichtete von der Detektion Gravitationswellen, die bei der Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher ausgesendet wurden. Gravitationswellen sind Störungen, die sich durch die Raumzeit ausbreiten. Sie ermöglichen es, Verschmelzungen zu untersuchen, ohne ein Bild der Objekte aufnehmen zu müssen. Der Artikel und das Hubble-Bild von NGC 4698 beruhen auf unterschiedlichen Arten von Evidenz: Der erste behandelt ein anhand seiner Wellen erkanntes Verschmelzungssignal, das zweite ermöglicht die Untersuchung der Galaxienstruktur und von Hinweisen auf Vorgänge in ihrem Zentrum. Der Artikel von 2016 erschien in Physical Review Letters; er ist kein Preprint.

Eine plausible Geschichte, kein abschließendes Ergebnis

NGC 4698 ist interessant, weil sie eine ungewöhnliche zentrale Form, eine abweichende Rotation und Anzeichen für Aktivität rund um ein supermassereiches Schwarzes Loch vereint. Gas von außerhalb und eine kleinere Verschmelzung bieten eine mögliche gemeinsame Erklärung, doch die von der ESA veröffentlichte Darstellung belässt sie im Bereich der Hypothese. Beschrieben sind die ungewöhnliche Struktur, die senkrechte Rotation des zentralen Bereichs und Hinweise auf ein wachsendes Schwarzes Loch. Wie genau diese Konfiguration entstand, bleibt eine offene Frage.

Quellen: ESA/Hubble: Bild und Beschreibung von NGC 4698, veröffentlicht am 18. September 2026; LIGO- und Virgo-Artikel über Gravitationswellen einer Doppelverschmelzung Schwarzer Löcher.