Wichtige Daten
- Laut ESA verzeichnet Gaia Parallaxen und Eigenbewegungen von mehr als 1,3 Milliarden Sternen.
- Die NASA erklärt, SPHEREx plane nach der Einjahresmarke eine Karte des gesamten Himmels in 102 Wellenlängen zu veröffentlichen.
- Laut einer Seite des NASA-MDSCC wird Euclid bis 2030 eine Karte erstellen, die nahezu ein Drittel des Himmels abdeckt.
- Eine sekundäre Quelle schreibt LOFAR eine Karte mit 17,3 Millionen kosmischen Quellen zu.
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Von Himmelskarten zu sprechen bedeutet nicht zwangsläufig, von einem einzigen endgültigen Bild des Universums zu sprechen. Ein Katalog kann Sternpositionen erfassen, ein anderer ihre scheinbaren Bewegungen messen, ein weiterer denselben Himmel bei vielen Wellenlängen beobachten. Manche Durchmusterungen sollen zudem Bestandteile indirekt rekonstruieren, die nicht unmittelbar sichtbar sind, etwa dunkle Materie. Die hier zusammengetragenen Belege ordnen mehrere dieser Ansätze ein, erlauben aber nicht, sie zu einer einzigen vollständigen Bestandsaufnahme des Kosmos zusammenzufassen.
Eine Karte hängt von der wissenschaftlichen Frage ab
Astronomische Kartierung macht aus Beobachtungen vergleichbare Daten: Positionen, Verschiebungen, Helligkeiten oder Signale aus verschiedenen Bereichen des Spektrums. Daher können zwei Projekte beide als „Karten“ gelten und dennoch sehr unterschiedliche Fragen beantworten. Ein Sterninventar hilft, unsere Galaxie zu beschreiben; eine Mehrbandkarte liefert Informationen darüber, wie Objekte strahlen; eine weite Himmelsabdeckung ermöglicht die Untersuchung großskaliger Strukturen.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Zahl der Objekte allein nicht entscheidet, welche Karte die „beste“ ist. Entscheidend sind auch die abgedeckte Fläche, die beobachtete Objektklasse, die Messart, die Auflösung und der Beobachtungszeitraum. Ein Ergebnis kann für eine bestimmte Population außerordentlich detailliert sein und zugleich vieles auslassen, wofür ein anderes Instrument ausgelegt wurde.
Gaia: Positionen und Bewegungen von mehr als 1,3 Milliarden Sternen
Die Europäische Weltraumorganisation ESA beschreibt Gaia als Mission, die die vollständigste Sternkarte unserer Galaxie und darüber hinaus geschaffen hat. Den verfügbaren Informationen zufolge verzeichnet ihr Katalog Parallaxen und Eigenbewegungen von mehr als 1,3 Milliarden Sternen.
Parallaxe ist eine scheinbare Positionsverschiebung, die zur Ableitung astronomischer Entfernungen verwendet wird. Die Eigenbewegung beschreibt die scheinbare Verschiebung eines Sterns am Himmel im Laufe der Zeit. Zusammen leisten diese Messungen mehr, als Punkte auf einer Himmelskarte zu platzieren: Sie helfen zu rekonstruieren, wie Sterne verteilt sind und sich bewegen. Das ist der Unterschied zwischen einem Standbild und einer kinematischen Karte der Milchstraße.
Die genannte Zahl bezieht sich ausdrücklich auf Sterne mit diesen Messungen im erwähnten Katalog. Sie darf weder als Zählung aller Objekte im Universum noch als direkte Messung aller Materie in der Galaxie verstanden werden.
SPHEREx: der Himmel in 102 Wellenlängen
Die NASA erklärt, dass die Mission SPHEREx nach Erreichen ihrer Einjahresmarke die Veröffentlichung einer Karte des gesamten Himmels in 102 Wellenlängen plant. Eine Wellenlänge bezeichnet einen Bereich des Lichtspektrums; die Beobachtung vieler Bereiche ermöglicht es, Informationen zu unterscheiden, die in einem einzelnen Beobachtungsband nicht erscheinen.
Der Zeitvorbehalt ist entscheidend: Die Quelle beschreibt eine geplante Veröffentlichung nach dieser Marke. Auf Grundlage der vorliegenden Belege ist es daher nicht angemessen zu behaupten, das Produkt sei bereits veröffentlicht, oder ihm wissenschaftliche Ergebnisse zuzuschreiben, welche die Quelle nicht erläutert. Gesichert sind hier der Plan einer Mehrwellenlängenkarte des gesamten Himmels und die von der NASA genannte Zahl der Wellenlängen.
Euclid und Kartierungen mit großer Abdeckung
Eine Seite des Madrid Deep Space Communications Complex der NASA besagt, dass Euclid bis 2030 eine kosmische Karte erstellen wird, die nahezu ein Drittel des Himmels abdeckt und ein deutlich größeres Sichtfeld als Weltraumteleskope nutzt. Dieselbe Quelle definiert dunkle Energie als die Bezeichnung für die unbekannte Ursache, die mit der zunehmend schnellen Expansion des Universums verbunden ist.
„Nahezu ein Drittel“ beschreibt in diesem Zusammenhang ein Abdeckungsziel, nicht eine im verfügbaren Auszug bereits abgeschlossene Beobachtung. Eine großflächige Karte ist wissenschaftlich wertvoll, weil sie Vergleiche zwischen weit entfernten Himmelsregionen und die Suche nach großskaligen statistischen Mustern ermöglicht. Eine große Abdeckung beseitigt jedoch nicht automatisch Grenzen bei Empfindlichkeit, Beobachtungszeit oder Interpretation.
LOFAR und der Wert spezialisierter Zählungen
Eine sekundäre Nachrichtenquelle berichtet, das LOFAR-Projekt habe eine Karte mit 17,3 Millionen kosmischen Quellen erstellt, und bezeichnet sie als damals vollständigste Zählung aktiv wachsender supermassereicher Schwarzer Löcher. Die Zahl verdeutlicht ein weiteres Prinzip: Eine Karte kann auf eine bestimmte physikalische Quellenklasse zielen, statt alle Himmelskörper gleichermaßen darzustellen.
Da diese Aussage im gelieferten Material aus einer nicht primären Quelle stammt, sollte sie vorsichtig gelesen werden. Die Originalstudie, die Methodik und das Bezugsdatum, die zur Prüfung der Bezeichnung „vollständigste“ nötig wären, liegen hier nicht vor. Sie zeigt dennoch, dass moderne Karten als spezialisierte Zählungen energetischer Phänomene dienen können und nicht nur als visuelle Atlanten.
Wie Vergleiche und ihre Grenzen zu lesen sind
Die genannten Projekte konkurrieren nicht zwangsläufig in derselben Kategorie. Gaia liefert präzise Sternmessungen; SPHEREx plant eine Kartierung des gesamten Himmels in 102 Wellenlängen; Euclid strebt bis 2030 nahezu ein Drittel des Himmels an; und LOFAR erfasst laut einer sekundären Quelle Millionen von Quellen mit einem speziellen Fokus. Ihre Zahlen sind nicht gegeneinander austauschbar.
Außerdem sollten veröffentlichte Ergebnisse, Pläne und Überschriften Dritter getrennt werden. Die Belege enthalten kein Datum für eine SPHEREx-Datenveröffentlichung, keine zusätzlichen technischen Angaben zu Euclid und keine LOFAR-Primärpublikation. Sie erlauben auch nicht den Schluss, eines dieser Projekte liefere die endgültige Karte des Universums. Sie zeigen jedoch ein Forschungsfeld, das durch ergänzende Karten vorankommt, von denen jede einen anderen Teil des Himmels in nutzbare Messwerte für die Erforschung des Kosmos überführt.